“Es ist ja nicht verboten!”

Nach einhelliger Gelehrtenansicht ist Muslimen das Feiern heidnischer Feste verboten. Neben weiteren Belegen stützen sich die Gelehrten in ihrem Urteil auf folgenden Ausspruch des Propheten Muhammad ﷺ:

“Wer ein Volk nachahmt, der gehört zu ihnen.” (Sunan Abi Dawud)

Muslimen ist es nicht erlaubt, heidnischen Ritualen beizuwohnen, an ihnen teilzunehmen oder ihre Kinder daran teilnehmen zu lassen. Wie zornig muss Allah (swt) darüber sein, dass muslimische Eltern ihre muslimischen Kinder für Geisterglaube, Magie und Shirk verkleidet durch die Straßen ziehen lassen? Eine unbeliebte Ansicht? Mag sein, doch sind persönliche Ansichten und Vorlieben nicht der Maßstab.

Und was ist mit den zahlreichen anderen “Argumenten”, die uns Muslimen jedes Jahr zu Halloween aufs Neue entgegengehalten werden?

“Es ist kein hedinisches Fest!”

Manche argumentieren, dass Halloween ein kommerzielles Fest ist und mit heidnischen Riten, Geisterglauben und Magie nichts mehr zu tun hat. Tatsächlich ist Halloween ein heidnisches Fest, das nachträglich kommerzialisiert wurde und der Süßigkeiten- sowie Kostümindustrie riesige Gewinne einfährt. Halloween geht auf das keltische “Samhain” zurück. Ein Fest, das von den Kelten am Vorabend des 1. Novembers gefeiert wurde und nach dem keltischen Kalender das neue Jahr einläutete. Die Kelten glaubten, dass sich an diesem Abend die Tore zur Unterwelt öffnen und die Toten auf die Erde zurück-kehren. Sie opferten ihren “keltischen Gottheiten” an diesem Abend, um sie zu beschwichtigen.

Kann der Muslim solche Zeilen lesen, ohne tiefe Abscheu zu empfinden? Die Überbleibsel der Beigesellung und des Aberglaubens sind an Halloween klar sichtbar. Der Kommerz ist also nur ein zusätzliches Argument, die Teilnahme zu unterlassen.

“Es schadet ja nicht!”

Muslime entnehmen den Maßstab von Schaden und Nutzen der Offenbarung. Schaden und Nutzen können nicht losgelöst vom Quran, der Sunna und der Shari’a betrachtet werden. Was Allah (swt) verboten hat, enthält Schaden und was Allah erlaubt hat, enthält Nutzen. Dies gehört zu den ganz grundlegenden Überzeugungen des Muslims. Was einzelne Menschen für schädlich oder nützlich halten, ist im Islam kein Maßstab des Handelns.

Das Feiern heidnischer Feste ist verboten und es schadet der Unbescholtenheit der kindlichen Überzeugungen.
Es verwischt die Grenzen zwischen dem Islam und heidnischen Traditionen. Mit Geisterglauben, Hexen und Magie wird die kindliche Sicht auf Allah, seine Einheit, seine Allmacht und die reinen Gottesdienste vernebelt. Wie sollen die Kleinen solche Dinge einerseits feiern und andererseits als verboten ablehnen? Unsere Kinder haben ein Anrecht darauf, dass wir ihre Aqida, ihre Fitra, ihre Vorstellung von der Einheit Allahs, ihren Islam und ihre Gottesdienste bewahren.

“Wir machen mit, aber wir glauben nicht daran!”

Verboten ist in diesem Fall die Ausübung heidnischer Rituale. Ein verbotenes Verhalten wird durch eine “gute” Absicht allein noch nicht erlaubt. Ein Kreuz aus modischen Gründen zu tragen bleibt auch dann verboten, wenn man nicht an die Kreuzigung Issas (as) glaubt.Denn es geht in diesen Fällen um die Handlung als solche. Vor allem unsere Kinder werden in einen tiefen Widerspruch gestürzt: “Wir machen mit, aber wir glauben nicht dran!”

Auch ein Halloween, das “nur aus Spaß” gefeiert wird, bleibt verboten. Es stellt sich die Frage: Welches Verständnis vom Islam und welche Beziehung zu Allah (swt) hat jemand, der spaßeshalber heidnische Rituale ausführt? Es zeugt von äußerster Oberflächlichkeit, heidnische Praktiken ohne den heidnischen Hintergrund praktizieren zu wollen. Oder habt ihr schonmal einen Atheisten getroffen, der spaßeshalber jede Woche zum Freitagsgebet ging? Was lernen Kinder durch solches Vorleben? Dass Spaß der Maßstab des menschlichen Verhaltens ist und man Allahs Vorgaben ignorieren darf, wenn man es nicht so meint? Ist dieser Maßstab erst einmal vermittelt, darf man sich nicht wundern, wenn die Kinder ihn
auch in anderen Situationen umsetzen.

“Die Kinder sind sonst traurig!”

Der Mensch formt seine Wünsche entsprechend seinen Überzeugungen. Ein Kind, dessen Eltern den Islam überzeugend vermitteln und auf schöne Art vorleben, muss Halloween nicht vermissen. Kinder sind überaus empfänglich für Erklärungen und freuen sich, wenn ihr Verstand angesprochen wird. Wird dem Kind erklärt, welche Vorstellungen den heidnischen Riten zugrunde liegen und wie sie dem Islam widersprechen, entwickelt es seine eigene Überzeugung und wird solche Riten konsequent ablehnen.

Eltern müssen sich die ehrliche Frage stellen: Projizieren wir unsere Wünsche auf unser Kind? Haben wir versteckte Sehnsüchte, die wir an unserem Kind ausleben? Hat uns Halloween in der Kindheit gefehlt, weil die eigenen Eltern weder in der Lage waren, uns den Islam überzeugend zu lehren und vorzuleben, noch uns freudige Alternativen aus der eigenen Religion zu bieten?

“Das gehört zur Integration!”

Immer wenn Muslime etwas tun oder sagen, das der Mehrheitsgesellschaft unliebsam ist oder wenn Muslime eine zwanghafte Anpassung ablehnen, wird mit der Integrationskeule ausgeholt. Besonders schlimm wird es, wenn Muslime dieses Verhalten übernehmen und mit der gleichen Keule auf ihre eigenen Glaubens-geschwister eindreschen, die Halloween konsequenterweise ablehnen.

Wer sich einem so dogmatischen Verständnis von Integration und dem Integrationsdruck einmal unterwirft, der droht seine islamischen Werte und Normen abzustreifen, einen nach dem anderen. Kinder, die lernen der “Integration halber” Teile ihrer islamischen Identität zu negieren, zu verstecken oder zwangsweise heidnische Rituale und Sichtweisen in ihr Selbstbild oder Verhalten aufzunehmen, werden es sehr schwer haben, als Minderheit ein Selbstbewusstsein zu entwickeln und ihren Selbstwert stattdessen in der Anerkennung der Mehrheitsgesellschaft suchen.

“Die Kinder fühlen sich ausgeschlossen!”

Als Eltern haben wir für unsere Kinder entschieden, in einer nicht-muslimischen Mehrheitsgesellschaft zu leben. Der Konsequenzen dieser Entscheidung müssen wir uns bewusst sein. Diese Konsequenzen unserer erwachsenen Entscheidungen auf den Deen unserer Kinder abzuwälzen, stellt eine Ungerechtigkeit gegenüber den Kindern dar.

Ein vollständiges Gefühl der Zugehörigkeit wird sichfür muslimische Kinder in der nicht-muslimischen Gesellschaft nicht einstellen. Das muss für ihre Entwicklung aber nicht zwingend von Nachteil sein. Dem “Minderheitenkomplex” kann auch eine positive Wendung gegeben werden, indem wir “anders sein” in “besonders sein” ummünzen.

Da wir Eltern Verantwortung für unsere Entscheidungen tragen und übernehmen, haben wir uns aufs Äußerste zu bemühen, mit allen Institutionen (Schule, Kita, Vereine…) und unserem Umfeld in regem Austausch zu stehen und sie für die Besonderheiten unserer muslimischen Kinder zu sensibilisieren.

FAZIT

Ein Argument fürs Halloween-Feiern lässt sich einfach nicht finden und wäre aufgrund des eindeutigen Verbots ohnehin nichtig. Es ist nicht immer leicht, als Muslime in der nicht-muslimischen Mehrheitsgesellschaft zu leben und der Versuchung zu widerstehen, es sich leicht zu machen und dem Anpassungsdruck einfach nachzugeben. Als Muslime müssen wir uns jederzeit in Erinnerung rufen: Das Leben ist eine Prüfung! Es wurde uns nicht von Allah (swt) geschenkt, um immer leicht zu sein. Erst im Jenseits wird der Muslim ewige Leichtigkeit erfahren – in sha Allah.

Wir sollten diese kommenden Tage nutzen, um mit unseren Kindern über die Einheit Allahs zu sprechen, mit ihnen Sure Al-Ikhlas auswendig zu lernen und zu reflektieren. Wir sollten die Zeit nutzen, um mit ihnen über die Klarheit des Islam zu sprechen. Über diesen wunderbaren Deen, der frei ist von Aberglaube,
Fabelwesen und Lüge.

Halloween ist nur ein einziger Abend. Es ist bald schon wieder vorbei und wird uns im Nachgang wie ein Augenschlag vorkommen. Lohnt es sich, für den vergänglichen Moment gegen Allahs Gebote zu verstoßen und unseren Kinder ein Vorbild an Inkonsequenz, Hemmungslosigkeit und Unterwürfigkeit zu sein?