Das abstrakte Denken ist bei Kindern in der Entwicklung und beginnt mit ca. 7 Jahren, sich zu formen. Viele Kognitionspsychologen gehen sogar davon aus, dass Kinder erst mit 12 Jahren vollständig die Fähigkeit zu abstrakten Gedankengängen erlangt haben. Also die Fähigkeit, eine Situation unabhängig von sich selbst zu durchdenken und zu bewerten oder eine Annahme gedanklich zu prüfen, allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen und Thesen aufzustellen.

Für die islamische Erziehung bedeutet dies, dass Kinder ihre Eltern über viele und vor allem die prägenden Lebensjahre hinweg mit dem Islam gleichsetzen. Mama und Papa sind für Kinder nicht nur “Muslime”. Mama und Papa sind für Kinder “der Islam”. Das Kind ist kognitiv noch nicht in der Lage, den Islam von den elterlichen Personen und dem elterlichen Verhalten zu abstrahieren.

Muslimische Eltern, die zufrieden, freundlich, liebevoll, lebensbejahend und positiv sind, übertragen diese Eigenschaften im kindlichen Denken auf den Islam. Das Kind kommt zu der emotionalen Überzeugung:

“Der Islam ist liebevoll und barmherzig. Er macht das Leben schöner. Der Islam schenkt den Menschen Zufriedenheit. Der Islam ist gut.”

Muslimische Eltern die unzufrieden, ablehnend, lieblos, streng oder sogar gewalttätig sind, übertragen diese Eigenschaften im kindlichen Denken ebenfalls auf den Islam. Das Kind gelangt zu der emotionalen Überzeugung: “Der Islam ist hart und unbarmherzig. Er macht das Leben schwer. Der Islam macht die Menschen traurig und wütend. Der Islam ist nicht gut.”

Der renommierte Entwicklungspsychologe Dr. Ibrahim Khulaifi beschreibt die elterliche Liebe sinngemäß als den Zement der islamischen Werte der Kinder. Damit ist gemeint, dass unsere Zuneigung und Fürsorge die islamischen Werte fest in unseren Kindern verankern, noch bevor die Kinder sie vollständig erfassen können. Die in der Kindheit geprägten Gefühle binden später Jugendliche und sogar Erwachsene in Phasen der Unsicherheit oder des Drucks emotional an den Islam.

Auch Dr. Abdurrahman Dhakir Al-Hashimi beschreibt in seinen Vorträgen immer wieder Fälle aus seiner psychologischen Praxis, in denen Jugendliche sich vom Islam abwenden, weil ihre Eltern hart, lieblos, ablehnend oder sogar aggressiv waren. Wurde der Islam von den Eltern hingegen positiv geprägt, empfinden Kinder das Gebet als schön, fiebern dem Ramadan entgegen, sie lieben die Moschee, Mädchen wollen den Hijab tragen, sündhaftes Verhalten wird abgelehnt usw.

Die erste Schlussfolgerung für uns Eltern lautet deshalb: Wir sind der Islam unserer Kinder. In der Gegenwart und höchstwahrscheinlich auch in der Zukunft. Es ist unsere Aufgabe, unseren Kindern den Islam bewusst positiv und in seiner ganzen Schönheit zu vermitteln, indem wir uns die Charaktereigenschaften des Propheten ﷺ aneignen und im Umgang mit unseren Kindern pflegen! Wir erzeugen positive Emotionen für den Islam. Das bezeichnen wir als positives Prägen.

Das positive Prägen erzeugt zwar emotionale Überzeugungen, jedoch reicht es langfristig allein nicht aus. Mit zunehmendem Alter und damit einhergehender kognitiver Entwicklung müssen die islamische Weltsicht und Werte dem Kind als rationale Überzeugungen vermittelt werden. Indem wir vor allem ab 7 Jahren, aber auch schon vorher, das Denken des Kindes ansprechen und die islamischen Vorgaben und Werte entwicklungsgerecht erklären. Das positive Prägen bleibt aber unverzichtbar und wird auch später weitergeführt.

Positives Prägen am Alltagsbeispiel des “Freitag”:

Im Alltag funktioniert das positive Prägen islamischer Gebote und Werte nur, wenn das positive Prägen zur Basis deiner Erziehung gehört! Indem du grundsätzlich liebevoll, annehmend, freundlich und respektvoll mit deinem Kind umgehst.