Sexueller Missbrauch von Kindern

Sexueller Missbrauch von Kindern ist in Deutschland ein ernstes, in allen Gesellschaftsschichten verbreitetes Problem. Im Sportverein, in der Schule, im Kindergarten, in der Kirchengemeinde, auf öffentlichen Veranstaltungen und sogar in der Familie…täglich finden in Deutschland sexuelle Übergriffe auf Kinder statt. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik von 2021 hat sich die sexuelle Gewalt gegen Kinder im letzten Jahr teilweise verdoppelt. Insbesondere kinderpornografische Delikte haben einen vehementen Zuwachs erfahren.

Nachrichten über Kinderpornographie-Ringe mit über 50.000 Mitgliedern, darunter Richter, Ärzte, Anwälte und bekannte Sportler bestürzen uns regelmäßig, überraschen uns aber nicht mehr.

Hypersexualisierte Gesellschaften

Gleichzeitig wird die Sexualisierung der liberalen Gesellschaft forciert. In Werbung, Film, Serien und den sozialen Medien sind explizit sexuelle Inhalte für jedermann zugänglich, die vor wenigen Jahren noch als pornografische Darstellungen eingestuft worden wären. Bereits Kindermode ist aufreizend und freizügig. In Kinderfilmen werden sexuelle Andeutungen gemacht, Geschlechtsteile dargestellt und geschlechtliche Beziehungen gezeigt. Unter dem Vorwand der Aufklärung und Prävention werden Kindern in der Schule sexualisierende Inhalte vorgeführt. Was sich kürzlich auf dem Christopher Street Day in Berlin öffentlich zugetragen hat, versetzte selbst deutsche Kinderschutzvereine in Alarm.

Wer ist Schuld?

Wer ist schuld an der sexuellen Enthemmung der Gesellschaft und dem damit einhergehenden, beängstigenden Anstieg von sexuellen Übergriffen auf Kinder?

Ist Netflix mit seinen schamlosen Serien schuld? Oder TikTok, wo kleine Mädchen in knappen Outfits tanzen? Ist die Mode-Industrie schuld, die uns zunehmend sexualisierende Trends vorsetzt?

Schuld ist die Idee der sexuellen Freiheit. Die Idee, dass der Mensch das Recht hat, seinem Sexualtrieb in fast jeder Form freien Lauf zu lassen. Die sexuelle Freiheit kennt keine festen Grenzen. Was gestern verboten war (Zoophilie, Inzest…) wird morgen erlaubt.

Wie schütze ich mein Kind?

Wer ernsthaft etwas für den Schutz von Kindern vor sexuellen Übergriffen tun will, muss bei der Idee der sexuellen Freiheit anfangen. Sie ist der Grund des beschriebenen Übels. Gleichzeitig gibt es zahlreiche praktische Schritte für uns Eltern, mit denen wir unsere Kinder schützen können, ohne sie zu sexualisieren.

Das Konzept der ‘Aura

Im Islam haben wir das schützende Konzept der عورة ‘Aura (Schambereich). Schon ab 3 Jahren können wir unseren Kindern erläutern, dass ihre Ausscheidungsorgane, ihr Gesäß und der gesamte Bereich zwischen Nabel und Knie zur ‘Aura gehören.

Erklär deinem Kind:

“Dein Körper ist eine Amana von Allah. Deine ‘Aura geht von hier bis hier. Niemand hat das Recht, deine ‘Aura anzuschauen, dich dort zu berühren oder dir seine ‘Aura zu zeigen. Dies ist ein geschützter Bereich. Noch helfe ich dir beim Umziehen und Duschen. Doch sobald du älter bist, machst du dies ganz allein.”

Um das schützende Konzept der ‘Aura tief in deinem Kind zu verankern, achte bitte auf Folgendes:

  • Zieht euch zu Hause nicht voreinander um! Auch Geschwisterkinder gehen zum Umziehen in separate Zimmer. Kleidet euch schamhaft.
  • Fass den Schambereich deines Kindes nur für Notwendigkeiten an. Sei dabei achtsam und respektvoll.
  • Der Geschlechtsbereich deines Kindes wird nicht gestreichelt oder getätschelt. Bitte unterlass auch spaßige Klapse auf das Gesäß deines Kindes.

Erlaubte und verbotene Berührungen

Erkläre deinem Kind, dass es erlaubte und verbotene Berührungen gibt. Gib deinem Kind praxisnahe, anschauliche Beispiele:

“Bei erlaubten Berührungen fühlst du dich wohl. Zum Beispiel wenn jemand dir die Hand zur Begrüßung gibt oder wenn dein Onkel dir über den Kopf streicht.”

“Verbotene Berührungen sind unangenehm. Du fühlst dich unwohl und möchtest sie nicht. Zum Beispiel wenn jemand dich auf den Mund küssen möchte. Oder wenn jemand dich sehr lange fest umarmt und nicht loslässt.”

Lehre dein Kind unbedingt, verbotenen Berührungen lautstark zu entgegnen: “Hör auf! Nein! Das will ich nicht!” und sich sofort aus der Berührung zu lösen.

Schlechte Geheimnisse

Sprich mit deinem Kind über “schlechte Geheimnisse”. Zwar gilt im Islam das Prinzip der Vertrauenswürdigkeit und auch wir Eltern haben nicht das Recht, unsere Kinder auszuspionieren. Ermutige dein Kind aber, dir stets von schlechten Geheimnissen zu berichten: “Erlaubte Geheimnisse sind Dinge, die jemand dir anvertraut, die niemandem schaden. Zum Beispiel ein lustiges Ereignis oder eine schöne Überraschung. Schlechte Geheimnisse musst du Mama oder Papa erzählen. Denn sie beinhalten etwas Verbotenes. Etwas, das dich oder jemand anderen traurig macht. Niemand darf von dir verlangen, solche Sachen geheim zu halten.”

Eine Frage des Vertrauens!

Du darfst nur erwarten, dass dein Kind dir von möglichen Übergriffen berichtet, wenn du das Vertrauen deines Kindes zu dir pflegst. Wenn du stets ein offenes Ohr für dein Kind hast, seine Sorgen ernst nimmst, ihm zuhörst und es einlädst, seine Gedanken mit dir zu teilen. Übermäßig strenge Eltern, die ihre Kinder andauernd kritisieren, können nicht erwarten, dass Kinder sich trauen, ihnen einen so schmerzhaften Übergriff anzuvertrauen. Sag deinem Kind immer wieder: “Egal was passiert, ich bin immer für dich da!”

Die richtige Reaktion

Wenn dein Kind jemals – Allah bewahre – Opfer eines Übergriffs wird, dann ist die richtige Reaktion: Laut rufen (“Lass mich! Hilfe! Hilfe!”) und wegrennen. Geh diese Schritte mit deinem Kind durch und bitte es, sich keinesfalls mit dem Täter anzulegen.

Praxistipps

  • Lehre dein Kind, dass es nicht gemeinsam mit anderen auf Toilette geht. Auch nicht mit Freunden.
  • Teile keine Bilder oder sensible Information über dein Kind im Netz. Fotografier dein Kind nicht in sensiblen Situationen.
  • Achte darauf, dass dein Kind keine sexualisierenden Medien konsumiert. Dies setzt die Hemmschwelle deines Kindes herab und normalisiert sexualisiertes Verhalten. Sowohl bei deinem Kind als auch Verhalten, das deinem Kind widerfährt.
  • Lass dein Kind nur mit vertrauenswürdigen Personen allein. Kenne die Familien, die dein Kind zu Hause besucht.
  • In Sportvereinen häufen sich sexuelle Übergriffe gegen Kinder. Mach dir ein genaues Bild vom Verein, vom Personal und davon, ob die islamischen Vorgaben gewahrt sind.
  • Folg im Zweifel deinem unwohlen Gefühl. Überlass dein Kind keiner zweifelhaften Situation.